Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dorsten haben seit 1923 mit dem Namen Kleinespel den morgendlichen Duft frisch gebackener, knuspriger Brötchen verbunden. Der Name hat in unserer Stadt aber eine noch längere Tradition. Bereits im Jahr 1904 erbaute Bernhard Kleinespel sen. auf der Hardt an der Ecke der heutigen Gahlener Straße/Fährstraße die Gaststätte Zum Reichsadler, die er 1908 um einen Festsaal erweiterte. Dieser war über viele Jahrzehnte im Großraum Dorsten der größte Saal, in welchem neben rauschenden Festen auch die ersten evangelischen Gottesdienste nach dem Krieg auf der Hardt stattfanden. Große Theaterhäuser aus Münster und Oberhausen gastierten hier mit ihren Klassikern neben örtlichen Heimatbühnen. Besonders bekannt und beliebt war der Saal als Veranstaltungsort für die regelmäßigen Tanzkurse der Dorstener Schulen. Der Festsaal wurde damit zum ersten traditionellen Standbein der Familie Kleinespel in Dorsten.
Im Jahr 1923 eröffnete Bernhard Kleinespel jun., der das Bäckerhandwerk erlernt hatte, neben der Gaststätte eine moderne Bäckerei, die schon bald in der näheren Umgebung für ihre guten Backwaren bekannt war und schon bald zum zweiten Standbein der Familie wurde.
Als der Bäckermeister Gerd Kleinespel und seine Ehefrau Brigitte im Jahr 1979 neben der Gaststätte mit Festsaal den elterlichen Bäckereibetrieb auf der Hardt übernahmen, ahnten sie noch nicht, dass sie es bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand im Jahr 2006 mit Fleiß, Können, aber auch einer Prise Glück schaffen würden, daraus neben der Stammbäckerei ein gut verzweigtes Verkaufsnetz mit bis zu 8 Filialen zu errichten. Dieser berufliche Erfolg spiegelte sich nicht zuletzt darin wider, dass Gerd Kleinespel und Hermann Imping, der den Bäckereibetrieb von ihm übernommen hat und mit seiner Familie ebenfalls in alter Tradition bis heute weiterführt, im Jahr 2005 zu Dorstens Unternehmern des Jahres gewählt wurden.
Neben berechtigtem Stolz auf ihr Lebenswerk erfüllte das stets heimatverbundene Handwerkerehepaar große Dankbarkeit für die langjährige Treue, die ihnen zahlreiche Stammkunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Vergangenheit erwiesen hatten. Sie beschlossen daher, von ihrem erwirtschafteten Vermögen etwas an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zurückzugeben. Ihnen war sehr daran gelegen, dies nicht mit einer einmaligen Spende abzutun. Der Name Kleinespel sollte zukünftig für gemeinnütziges Bürgerengagement stehen. Dazu beabsichtigten sie nach dem Verkauf ihres operativen Geschäftes im Jahre 2006, einen beachtlichen Geldbetrag einzusetzen und langfristig gewinnbringend anzulegen. Erzielte Erträge sollten nachhaltig für gemeinnützige Zwecke und vornehmlich zum Wohle Dorstener Bürgerinnen und Bürger verwendet werden.
In Umsetzung dieses Planes gründete Gerd Kleinespel auf juristischen Rat hin mit Unterstützung seiner Ehefrau Brigitte am 15. November 2006 die Kleinespel-Stiftung als gemeinnützige rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Diese wurde von der Bezirksregierung in Münster am 23.11.2006 offiziell anerkannt und in das Stiftungsregister aufgenommen. Damit wurde sie zugleich einer fortlaufenden Kontrolle durch die Stiftungsaufsicht der vorgenannten Behörde unterstellt.
In Anknüpfung an die vorbeschriebene Familientradition wurde der Reichsadler als Traditionswappen des Stammhauses seit 1904 nunmehr auch zum Erkennungszeichen der Stiftung bestimmt und in deren Logo aufgenommen.

Die Stiftungszwecke orientieren sich an einem Gedanken aus Schillers „Wilhelm Tell“: „Dem Nächsten muss man helfen; es kann uns allen Gleiches ja begegnen.“
Nach dem Wunsch der Eheleute Kleinespel ist die Stiftung vor allem eine Heimatstiftung. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung gemeinnütziger Projekte in Dorsten. Auch überregional bedeutende Vorhaben können gefördert werden, sofern sie den Stiftungszwecken entsprechen.
Besonders am Herzen liegt den Gründern die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Dazu gehören Menschen, die durch Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder andere Krisen in finanzielle Not geraten sind. Ebenso unterstützt werden sollen Opfer familiärer Konflikte und häuslicher Gewalt, Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sowie schwer erkrankte Menschen, etwa bei Sucht, Demenz oder Krebs.
Weitere Schwerpunkte sind die Förderung von Erziehung und Bildung, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die Pflege von Kunst und Kultur sowie die Unterstützung kirchlicher Projekte und Einrichtungen.
Gemeinsam für Dorsten
Die Ziele der Kleinespel-Stiftung stehen in engem Zusammenhang mit dem sozialen Engagement des Lionsclubs Dorsten-Hanse, den Gerd Kleinespel und ich im Jahr 2000 mitgegründet haben. Deshalb sagte ich ihm von Beginn an meine Unterstützung bei der Stiftungsarbeit zu.
Neben Brigitte Kleinespel, Jochen Kaßler und Iris Körschgen gehörte ich 2006 zu den ersten Mitgliedern des Stiftungskuratoriums. Es berät den Vorstand und wird in wichtige Entscheidungen einbezogen.
Im November 2014 erweiterte Gerd Kleinespel den Vorstand aus Altersgründen um einen zweiten Vorsitzenden und eine Geschäftsführerin. Diese Aufgaben übernahmen ich und Iris Körschgen.
Nach dem frühen Tod von Jochen Kaßler im Jahr 2012 und den Veränderungen im Vorstand wurde das Kuratorium neu besetzt. 2016 kamen neben Brigitte Kleinespel auch Bürgermeister Tobias Stockhoff und Wirtschaftsprüfer Dennis Woltsche als beratende Beisitzer hinzu. Mit ihrem Engagement unterstützten sie den Vorstand bei wichtigen Entscheidungen über die Vergabe von Fördermitteln. Nach Ablauf ihrer ersten vierjährigen Amtszeit erklärten sie sich erfreulicherweise bereit, ihre Arbeit für die Stiftung fortzusetzen.

In den ersten 14 Jahren der Stiftungsarbeit konnten viele Ziele erreicht werden. Trotz der meist ungünstigen Ertragslage am Kapitalmarkt hat die Kleinespel Stiftung rund 120.000 Euro für gemeinnützige Einrichtungen, Projekte und Maßnahmen bereitgestellt. Möglich wurde dies vor allem durch die Verdopplung des Stiftungskapitals, Einzelspenden und weitere Zustiftungen der Eheleute Kleinespel.
Eigene Projekte konnte die Stiftung bisher noch nicht initiieren und langfristig finanzieren. Sie konnte jedoch Rücklagen bilden, um mehrere besonders förderungswürdige Spendenempfänger über jeweils fünf Jahre regelmäßig zu unterstützen. Das gibt ihnen mehr Planungssicherheit.
Künftig möchte der Vorstand besonders soziale Probleme in den Blick nehmen, die leicht in Vergessenheit geraten, für Betroffene und ihre Familien aber eine große Belastung darstellen können. Ein erstes Zeichen setzte die Stiftung mit einer Spende an die Dorstener Obdachlosenhilfe, die vom Verband der Dorstener evangelischen Kirchen getragen wird. Damit soll die Versorgung wohnungsloser Menschen mit Lebensmitteln unterstützt werden. Auch im Bereich der Suchtproblematik sieht die Stiftung künftig Möglichkeiten, Hilfe zu leisten.
Die Pflege des Heimatgedankens ist der Stiftung seit jeher ein besonderes Anliegen. Deshalb hat sie regelmäßig Projekte der Dorstener Vereine für Orts- und Heimatkunde sowie des Trägervereins „Altes Rathaus“ unterstützt. Dies möchte sie auch in Zukunft fortsetzen, soweit es ihre Möglichkeiten erlauben.
Im Jahr 2016 entstand die Idee, mit den Empfängern der Fördergelder persönlich ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wofür die Spenden eingesetzt wurden. Dazu lud der Vorstand die Geförderten oder ihre Vertreter in der Vorweihnachtszeit zu einem gemütlichen Kaffeetrinken mit Kuchen in die „gute Stube“ des Alten Rathauses, des ehemaligen Heimatmuseums, ein. Dabei konnte jeder sich und seine Einrichtung vorstellen.
Neben dem persönlichen Austausch entstand so auch die Gelegenheit für viele ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger Dorstens, sich kennenzulernen und miteinander zu vernetzen. Nach einer Wiederholung im Jahr 2018 plant der Vorstand, auch in diesem Jahr wieder ein solches Treffen zu veranstalten.

Der Vorstand weiß, dass die Spenden meist nicht ausreichen, um größere Projekte zu finanzieren. Dennoch sind sie ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes, besonders für die vielen Ehrenamtlichen. Sie sollen dazu beitragen, dass diese sich weiterhin engagiert und motiviert für die Allgemeinheit einsetzen.
Es heißt zwar: „Tue Gutes und rede nicht darüber.“ Mit meinem Bericht über die Kleinespel-Stiftung möchte ich bewusst einen anderen Weg gehen. Ich möchte Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die über den Einsatz finanzieller Mittel für die Allgemeinheit nachdenken, dazu ermutigen, eine eigene Stiftung zu gründen oder eine bestehende Stiftung vor Ort durch eine Zustiftung zu unterstützen.